Betriebswirt – die betriebswirtschaftliche Aufstiegsfortbildung

Aufstiegsfortbildungen mit dem Abschluss zum Betriebswirt sind als betriebswirtschaftliche Weiterbildung sehr beliebt. Insbesondere die geregelten Lehrinhalte, die einen direkten Bezug zur beruflichen Praxis darstellen, werden von Seiten ausgebildeter Kaufleute und der Arbeitgeber sehr geschätzt. Hier erfährst Du mehr über die Stellung der Aufstiegsfortbildung im Dschungel der Bildungsabschlüsse.

Wesentliche Aufstiegsfortbildungen

Rechtliche Regelungen

Aufstiegsfortbildungen, wie Staatlich geprüfter Betriebswirt, sind Teil der beruflichen Weiterbildung, die auf Regelungen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), der Handwerksordnung (HWO) und des Landesrechts beruhen. Während der Staat nicht regulierend auf die betriebliche Weiterbildung einwirkt, finden sich im Berufsbildungsgesetz Regelungen zur Aufstiegsfortbildung. So bildet das Berufsbildungsgesetz den Rahmen für die institutionalisierte Aus- und Weiterbildung, auch wenn es in erster Linie eine Aufgabe der für die einzelnen Wirtschaftszweige und Berufsbereiche zuständige Stellen (Kammern) ist, für die Organisation des beruflichen Fortbildungswesens zu sorgen.

IHK-Aufstiegsforbildungen

Das Ziel der beruflichen Aufstiegsfortbildung ist die Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit im Hinblick auf höherwertige Berufstätigkeiten und dem damit verbundenen beruflichen Aufstieg.
Im Berufsbildungsgesetz ist laut § 53 BBiG und § 54 BBiG der Erlass der Fortbildungsordnungen geregelt. Im kaufmännischen Bereich werden Fortbildungen im Wesentlichen über die Industrie- und Handelskammern (IHK) angeboten.

Grundsätzlich sind die IHK-Fortbildungen auf drei Ebenen hierarchisch unterteilt. Auf der ersten Ebene befinden sich nur wenige Fortbildungen, die beispielsweise zum Fachberater oder zum Fremdsprachenkorrespondenten führen. Die zweite Ebene ist die umfangreichste hinsichtlich des Angebots und der Anzahl an Teilnehmern. Sie bildet bereits ausgebildete Kaufleute zu Fachspezialisten weiter. Die Fortbildungsabschlüsse führen zum Fachkaufmann oder Fachwirt und sind durch Kernqualifikationen gekennzeichnet, die über das jeweilige Handlungsfeld hinausweisen. Gefordert sind volkswirtschaftliches Urteilsvermögen und betriebswirtschaftliche Entscheidungsfähigkeit, ökonomisches und berufsethisches Verantwortungsbewusstsein, Markt-, Kunden- und Qualitätsorientierung, Kenntnisse des Projekt-, Team- und Zeitmanagements, Medien- und Sprachkompetenz, Kommunikations- und Motivationsfähigkeit sowie auch die Kompetenz, Mitarbeiter/innen und Teams zu führen.

Nach Erlangung eines Abschlusses zum Fachkaufmann oder Fachwirt ist mit zusätzlicher Berufserfahrung und dem Abschluss einer Fortbildung die nächste Stufe zu erreichen. Absolventen dieser Ebene wird mit einem Fortbildungsabschluss zum geprüften Betriebswirt (IHK) strategisches Denken und Entscheidungsfindung bescheinigt.

Der Fachschulabschluss Staatlich geprüfter Betriebswirt

Analog zur kaufmännischen Erstausbildung wird das im Berufsbildungsgesetz geregelte öffentlich-rechtliche Fortbildungswesen durch schulische Fortbildungsabschlüsse ergänzt.

Im kaufmännischen Bereich ist es die Aufgabe von Fachschulen für Wirtschaft, die Betriebswirt-Aufstiegsfortbildung anzubieten. Die Abschlüsse an Fachschulen für Wirtschaft führen zum Berufsabschluss Staatlich geprüfter Betriebswirt mit unterschiedlichen Fachrichtungen. So heißt es in der von der Kultusministerkonferenz 2002 beschlossenen Rahmenvereinbarung über Fachschulen:

    „Fachschulen sind Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung. Die Bildungsgänge in den Fachbereichen schließen an eine berufliche Erstausbildung und an Berufserfahrungen an. Sie führen in unterschiedlichen Organisationsformen des Unterrichts (Vollzeit- oder Teilzeitform) zu einem staatlich postsekundaren Berufsabschluss nach Landesrecht.“

Gemäß dem KMK-Beschluss aus dem Jahre 2002 sind im Fachbereich Wirtschaft 2.400 Unterrichtstunden zu leisten, bevor eine bestandene Abschlussprüfung zur Berufsbezeichnung Staatlich geprüfter Betriebswirt berechtigt. Der Unterricht an Fachschulen ist durch die von Landesministerien des jeweiligen Bundeslandes verabschiedeten Rahmenlehrpläne bestimmt und teilt sich in fachrichtungsbezogene und -übergreifende Lernbereiche auf. Gemeinsam führen beide Bereiche zur Entwicklung umfassender Handlungskompetenz, die Fachkräfte mit Berufserfahrung zu Führungsaufgaben in betrieblichen Organisation und zur Ausführung von selbstständig verantwortungsvollen Tätigkeiten befähigt.
Hierzu dienen die fachrichtungsübergreifenden Lernbereiche insbesondere der Entwicklung beziehungsweise Erweiterung von berufsübergreifenden Kompetenzen, während im fachrichtungsgebundenen Lernbereich insbesondere die Entwicklung weiterer Fachkompetenz im Mittelpunkt steht. Die Zeitrichtwerte umfassen für den fachrichtungsübergreifenden Lernbereich 400-600 Unterrichtsstunden, der fachrichtungsbezogene Lernbereich 1.800-2.400 Unterrichtsstunden.

Zur Aufnahme an einer Fachschule für Wirtschaft wird zugelassen, wer eine nach dem Berufsbildungsgesetz oder den Bestimmungen der Länder anerkannten kaufmännischen Ausbildungsberuf und eine einjährige kaufmännische oder verwaltende Berufstätigkeit vorweist. Auch ohne abgeschlossene Ausbildung ist die Aufnahme an einer Fachschule für Wirtschaft möglich, wenn eine fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit vorliegt.

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