Betriebswirt statt Bachelor – Vorteile und Nachteile

Betriebswirt oder Bachelor – diese Frage stellen sich viele junge Menschen, die eine kaufmännsiche Ausbildung abgeschlossen haben und einen weiterführtenden Abschluss für den beruflichen Aufstieg benötigen. Der Staatlich geprüfte Betriebswirt als Alternative zu einem Hochschulabschluss? Erste Antworten.

Betriebswirt als Alternative zum Bachelor

Betriebswirt und Bachelor – gleichwertig, nicht gleichartig

Im Januar 2012 verständigten sich Bundesregierung, Kultusministerkonferenz, Wirtschaftsministerkonferenz, Sozialpartner und Wirtschaftsverbände auf die Umsetzung eines Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), der im Mai 2013 in Kraft tritt. Danach wird Absolventen von Aufstiegsfortbildungen dasselbe berufliche Qualifikationsniveau (Stufe 6) unterstellt wie Hochschulabsolventen mit dem akademischen Grad Bachelor. Laut DQR verfügen sie
    „über Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben und Problemstellungen sowie die eigenverantwortliche Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld […]. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet.“

Mit der Einstufung von beruflicher Weiterbildung Staatlich geprüfter Betriebswirt auf Niveau Bachelor wird deutlich, dass zunehmend eine Gleichstellung von beruflicher und akademischer Fortbildung erfolgt. Obwohl beide Bildungsformen keinesfalls gleichartig sind, wird die schulische Weiterbildung an Fachschulen auf die Stufe eines Hochschulstudiums gestellt.

Die Gleichstellung manifestiert sich zumindest auf dem Papier. Hierin liegt eine Chance für Fachschulen und ihrer Absolventen, ihren Abschluss zum Betriebswirt in der Öffentlichkeit aufzuwerten. Ob sich die Gleichstellung auch in der Berufswelt durchsetzen wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Der zunehmende Fachkräftemangel spielt sicherlich in die Karten der Fachschulabsolventen. Schließlich werden Unternehmen genötigt, zur Personalbeschaffung nach Alternativen zu Hochschulabsolventen zu suchen. Hier bietet sich der Betriebswirt als betriebswirtschaftliche Weiterbildung besonders an.

Es ist davon auszugehen, dass viele KMU weiterhin die Vorteile von Staatlich geprüften Betriebswirten nutzen, um sie als als Fach- und Führungskräfte einzusetzen: mehr Praxisnähe, kürzere Einarbeitungszeit, größere Berufserfahrung, günstigere Entlohnung. Ob dies großlächig auch für Großunternehmen gelten wird, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich kann erst mit der tariflichen Gleichstellung von einer echten Gleichwertigkeit der Abschlüsse gesprochen werden. Doch gerade in diesem Punkt lässt sich aus dem DQR keine rechtliche Forderung ableiten.

Zunehmende Konkurrenz zwischen Betriebswirt und Bachelor

Langfristig gesehen könnte sich die Gleichstufung durch den DQR sogar als Risiko für die Fachschulen herausstellen. So könnten sich kaufmännisch ausgebildete Personen zunehmend gegen die Aufstiegsfortbildung und für ein Studium an der Hochschule entscheiden, um die Voraussetzungen für ihren beruflichen Aufstieg zu schaffen. Schließlich wurde in der Vergangenheit der Hochschulabschluss allgemein höher bewertet als der schulische Bildungsabschluss – auch wenn Fachschulen wie Hochschulen beides Einrichtungen aus dem tertiären Bildungsbereich sind.

Die Möglichkeiten zur Hochschulzulassung für beruflich Qualifizierte sowie der Trend zum Studium ohne Abitur verschärfen das Konkurrenzverhältnis zusätzlich. Es bedarf in der Öffentlichkeitsarbeit von Fachschulen demnach nicht nur der Betonung der Gleichstellung der Abschlüsse Betriebswirt und Bachelor, sondern auch der Differenzierung der beiden Studienabschlüsse. Nur so kann die Öffentlichkeit von den Vorteilen der beruflich ausgebildeten Betriebswirten gegenüber den akademisch ausgebildeten Bachelorabsolventen überzeugt werden.

Praxisnähe und Handlungsorientierung von Betriebswirten

Ein entscheidener Unterschied beider Bildungsansätze liegt hierbei im handlungsorientierten Lehrkonzept. Das Lernfeld-Konzept stellt eine besondere Form der Wissensvermittlung dar, mit der in Abgrenzung zu einem Hochschulstudium eine hohe Praxisorientierung verbunden wird. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist der schulische Rahmen der Fachschule, mit dem eine persönliche Kommunikation zwischen Lehrenden und Schülern verbunden ist.

Um von den Vorteilen von beruflicher und akademischer Bildung gleichermaßen zu profitieren, wurden in der jüngsten Vergangenheit neue Bildungsangebote geschaffen, die als Hybrid beider Bildungsansätze zu sehen sind. So wird es Fachschülern ermöglicht, parallel zur Weiterbildung Staatlich geprüfter Betriebswirt das Studium an der Hochschule aufzunehmen und nach vier Jahren beide Abschlüsse zu erlangen, wie das Studium Betriebswirt Bachelor an der DAA Wirtschaftsakademie, in Kooperation mit dem Düsseldorfer Studienzentrum der HFH Hamburger Fern-Hochschule.

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