Der Trend zum Studium ohne Abitur

Ein Studium ohne Abitur aufzunehmen galt bis vor wenigen Jahren noch als quasi ausgeschlossen. Durch verschiedene bildungspolitische Maßnahmen ist das Studium ohne Abitur vielleicht weiterhin nicht selbstverständlich, aber eindeutig ein Trend.

Studieren ohne Abitur

Wie sich der Trend entwickelte

Wenn im Folgenden von einem Studium ohne Abitur gesprochen wird, dann ist damit gemeint, dass Personen allein über ihre berufliche Qualifikation für ein Hochschulstudium zugelassen werden. Während ein Studium ohne Abitur vor der Jahrtausendwende als quasi ausgeschlossen galt, hat sich die Zahl der sogenannten beruflich Qualifizierten zwischen 2000-2010 auf über zwei Prozent aller Studierenden verdoppelt. In Nordrhein-Westfalen hat sich die absolute Zahl der Studienanfänger im Zeitraum zwischen 2007 und 2010 von 787 auf 4134 sogar mehr als verfünffacht. Der Anteil an den landesweit immatrikulierten Studienanfängern in NRW beträgt aktuell 4,23 Prozent.

Trendursachen für das Studium ohne Abitur

Diese Entwicklung wird auf drei Problemstellungen zurückgeführt, die in den letzten Jahren durchgängig öffentlich wurden. Wie bereits erwähnt, geht es zum einen um die Umsetzung europäischer Bildungsreformen sowie um die internationale Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen. Zum anderen wird wiederholt ein Fachkräftemangel konstatiert, der mit dem demografischen Wandel einhergeht. Eine von der Industrie- und Handelskammer (DIHK) durchgeführte Studie im Mai dieses Jahres stellt fest, dass jedes dritte Unternehmen mit dem prognostizierten Fachkräftemangel eine Gefahr für die eigene wirtschaftliche Entwicklung befürchtet. Vor diesem Hintergrund fordert die Wirtschaft mehr Durchlässigkeit im Bildungswesen, um qualifizierte Arbeitskräfte zu einem Hochschulstudium zuzulassen.

KMK-Beschlüsse zur Förderung des Studiums ohne Abitur

Bereits 2009 veränderte ein Beschluss der Kultusminister-Konferenz (KMK) die Hochschulzugangsberechtigung an deutschen Hochschulen. Demzufolge sollten die bis dahin recht heterogenen rechtlichen Regelungen für das Studium ohne Abitur bundesweit vereinheitlicht werden. Seitdem wird Inhabern von beruflichen Aufstiegsfortbildungen die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung zugesprochen. Hierzu zählen neben den Fortbildungsabschlüssen der Industrie- und Handelskammern auch die Fachschulabschlüsse, Staatlich geprüfter Betriebswirt. Darüber hinaus beschloss die KMK, dass Personen mit beruflicher Ausbildung und einer mindestens dreijährigen einschlägigen Berufspraxis in allen 16 Bundesländern eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung erhalten.