Entwicklung von Schlüsselkompetenzen

Vergleicht man die Bildungangebote zum staatlich geprüften Betriebswirt und zum Bachelor, stellt man fest, dass ein entscheidener Unterschied beider Bildungsansätze im jeweiligen Lehrkonzept liegt. Das berufsorientierte Lernfeld-Konzept stellt eine besondere Form der Wissensvermittlung dar, mit der – in Abgrenzung zu einem wissenschaftlichen Hochschulstudium – eine hohe Praxisorientierung verbunden wird. Das Konzept dient der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen.

Akademische versus berufliche Kompetenzbildung

Vermittlung von Schlüsselkompetenz

Mitte der 70er Jahre prägte der Pädagoge Dieter Mertens den Begriff der „Schlüsselkompetenz“. Er stellte fest, dass in seiner Zeit Bildungsverantwortliche auf die sich immer schneller verändernden Anforderungen an Ausbildungsinhalten lediglich mit breiterem Faktenwissen reagierten, um alle Bildungsinhalte abzudecken. Die Konsequenz sei eine zunehmende Unübersichtlichkeit der Bildungsinhalte und somit „kein Gewinn für die Zukunft“. Er forderte stattdessen die Herausbildung von Gemeinsamkeiten in den Kompetenzanforderungen. Gerade im Rahmen der „Employability“ geht es um das Erlangen zusätzlicher Schlüsselqualifikationen, die neben dem im Hochschulstudium vermittelten Fachwissen die Absolventen auf unbestimmte berufliche Aufgaben vorbereiten.

Welche Schlüsselkompetenzen im Rahmen eines Hochschulstudiums zu vermitteln sind, um Beschäftigungsfähigkeit zu garantieren, wird von Seiten der Hochschulen nicht explizit definiert. So finden sich in der Literatur zahlreiche Ausführungen über erforderliche Schlüsselqualifikationen, die über die betriebswirtschaftlichen und ökonomisch orientierten Aspekte hinausgehen. Nach Roland Bloch zielen Schlüsselqualifikationen auf die „Teamfähigkeit, die strategische Gestaltung sozialer Beziehungen (Networking) und den Umgang mit wandelnden Anforderungen (Change Management)“.

Gemäß einer Studie des Deutschen Industrie und Handelskammertags „Kompetent und praxisnah – Erwartungen der Wirtschaft an Hochschulabsolventen“ hat die Unzufriedenheit in Wirtschaftsunternehmen mit Bachelorabsolventen in den letzten Jahren zugenommen. Im Jahr 2011 waren noch 67 Prozent der 2000 befragten Entscheider im Unternehmen zufrieden mit den Leistungen der Bachelorabsolventen, im Jahr 2014 nur noch 47 Prozent. Hauptgründe für die Unzufriedenheit sind der Studie nach eine fehlende Anwendungsorientierung in den Studiengängen sowie fehlende Methoden-, soziale und persönliche Kompetenzen der Absolventen.

Was sind Schlüsselkompetenzen?

Gemeinhin können Schlüsselqualifikationen als überfachliche Qualifikationen verstanden werden, die neben dem Fachwissen existieren. Sie sollen auf potenzielle Unsicherheiten eines zukünftigen Arbeitsumfeldes universell anwendbar sein. Bei Hochschulabsolventen tritt als wesentliche Qualifikation für den Arbeitsmarkt zunehmend die Persönlichkeit des Absolventen in den Vordergrund, der ihn befähigt, sich dem ständig im Wandel befindenden Arbeitsanforderungen anzupassen. Somit rücken hauptsächlich personale und soziale Verhaltensweisen und Einstellungen ins Zentrum der neu zu gestaltenden Curricula, um die Chancen auf eine potenzielle Beschäftigung zu erhöhen

Ein Fachgutachten der Hochschulrektorenkonferenz stellte heraus, dass ein Hochschulstudium zur Vermittlung der „Employability“ verschiedene Ziele verfolgt: Gemäß § 2 HRG ist es Aufgabe der Hochschule, die Absolventen für Tätigkeiten zu befähigen, die „die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und wissenschaftliche Methoden [..] erfordern“. Hierbei sind nicht explizit Forschungstätigkeiten gemeint, sondern allgemein der fachliche Umgang mit wissenschaftlichem Wissen in einem beruflichen Kontext. Des Weiteren sollen Hochschulabsolventen für berufliche Tätigkeitsfelder ausgebildet werden, die „durch eine offene Gestaltung sowie ein breites Aufgabenspektrum gekennzeichnet sind und daher auf theoretischer und methodischer Kompetenz beruhende Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit in der Problemdefinition und -lösung verlangen“. So heißt es auch weiter, dass die Hochschule zur Persönlichkeitsbildung beiträgt und zur Teilnahme an der Gesellschaft befähigt. Diese allgemeinen Ziele gelten für alle Hochschuleinrichtungen – unabhängig von der Ausprägung und der Schwerpunktsetzung – und müssen im jeweiligen Lebenslauf berücksichtigt werden.

In Abgrenzung zu anderen Formen formaler Bildung hebt das Gutachten hervor, dass akademische Kompetenzentwicklung zur Erklärung eigenen Handelns führt und erkenntnisbasiert ist. Hierbei wird insbesondere eine Grenze zur Kompetenzentwicklung in der Berufspädagogik gezogen, welche die Entwicklung von beruflicher Handlungsfähigkeit ins Zentrum stellt. Die handlungsorientierte Didaktik der Berufspädagogen erhielt Einzug in die reformierte Berufsausbildung in den 1980er Jahren und orientiert sich an den typischen Phasen einer Handlung: Informieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren und Bewerten bzw. Reflektieren. Berufliche Handlungskompetenz wird dabei durch das Erlernen und die Auseinandersetzung mit den einzelnen Handlungsphasen in unterschiedlichen Lernsituationen angeeignet.

Ziel beruflicher Handlungskompetenz

Das Ziel beruflicher Handlungskompetenz wird im Allgemeinen in vier unterschiedliche Bereiche eingeteilt, wobei die drei letztgenannten als Schlüsselqualifikationen beruflicher Bildung gelten:

 

  • Fachkompetenz = Erwerb verschiedener Arten von Wissen und kognitiven Fähigkeiten […]
  • Methodenkompetenz = Fähigkeit, Fachwissen geplant und zielgerichtet bei der Lösung von beruflichen, wissenschaftlichen o.a. Aufgaben umzusetzen […]
  • Sozialkompetenz = Fähigkeiten, mit denen soziale Beziehungen im beruflichen Kontext bewusst gestaltet werden […]
  • Selbstkompetenz = Fähigkeiten, die eigene Person als wichtigstes Werkzeug in die berufliche Tätigkeit einzubringen […].“

Nach einem Beschluss der 1996 abgehaltenen Kultusministerkonferenz sind die Rahmenlehrpläne von beruflichen Ausbildungsgängen nach Lernfeldern strukturiert, um eine engere Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu erzielen. Die Grundlage bildet ein didaktisch aufbereitetes Handlungsfeld im beruflichen Kontext. Diese Handlungsfelder sind nicht mehr allein von einer einzelnen Fachdisziplin bestimmt, sondern verknüpfen verschiedene Fachdisziplinen, die für die Handlung von Bedeutung sind. Im Rahmen eines handlungsorientierten Berufsschulunterrichts wird nicht nur relevantes Fachwissen abgerufen, sondern das Lösen komplexer Problemstellungen gefördert. Das Lernfeld-Konzept vermittelt am Ende des Lernprozesses Handlungskompetenz, indem Fach-, Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenz miteinander verknüpft werden.

Stichwörter: , , , ,